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Die Wichtigkeit der Omega-3-Fettsäuren EPA und DHA

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Die Wichtigkeit der Omega-3-Fettsäuren EPA und DHA

Für den heutigen Gastbeitrag hab ich Vilmos gebeten, uns die Wichtigkeit der tierischen Omega-3-Fettsäuren und deren therapeutischer Möglichkeiten zu erklären. Auch ich war nämlich lange der Meinung, dass Omega-3-Fettsäure gleich Omega-3-Fettsäure ist: also egal ob pflanzlichen (aus Lein- oder Hanföl z.B.) oder tierischen Ursprunges.

Zunächst, was sind Omega-3-Fettsäuren?

Omega-3-Fettsäuren sind eine Untergruppe der Omega-n-Fettsäuren, die zu den ungesättigten Verbindungen gezählt werden. Sie zählen zu den essentiellen, also lebensnotwendigen Fettsäuren, da der menschliche Körper sie nicht selber herstellen kann.
Es gibt über 10 verschiedene Omega 3 Fettsäuren, allerdings sind für den Menschen die wichtigsten die α-Linolensäure, Eicosapentaensäure (EPA) und Docosahexaensäure (DHA).
α-Linolensäure findet man in pflanzlichen Fettquellen wie Nüssen, vor allem Walnüssen, Rapsöl und Leinöl. EPA und DHA finden wir in fettem Kaltwasserfisch, Weidefleisch, in geringerem Umfang in Weidemilchprodukten, sog. „Omega 3-reichen Eiern“, Krill und in Mikroalgen (wie z.B. Isochrysis galbana T-Iso oder Rhodomonas lens).

Allgemein wird geglaubt, dass pflanzliche Fette eine gute Omega 3-Quelle für den Menschen darstellen. Was nur sehr wenige wissen ist, dass α-Linolensäure vom menschlichen Körper nur zu ca. 8% zu EPA und daraus weniger als 0,1% in DHA umgewandelt werden. Somit eignen sich pflanzliche Omega 3 Fette nur marginal zur Erhöhung des Plasmaspiegels von EPA, den von DHA überhaupt nicht. Deswegen ist es extrem wichtig EPA und DHA durch die richtige Ernährung oder durch Supplemente zu sich zu nehmen, wobei echte Lebensmittel zu bevorzugen sind.

Warum sind EPA und DHA so wichtig? Welche Funktionen übernehmen sie im Körper?

EPA und DHA dienen einer gesunden Entwicklung und Funktion des Nervensystems und der Netzhaut im gesamten Lebensabschnitt. Die Netzhaut ist nur eine Fortsetzung des Nervensystems. DHA und EPA erhöhen unter anderem auch die Fluidität der Zellmembranen.
EPA und DHA dienen schon in der pränatalen (also vorgeburtlichen) Phase als essentielle Bausteine. Evolutionsbiologisch hat der Säugling nämlich Vorrang und holt sich die Reserven von der Mutter.
Inadequate Einnahmen von Omega 3 Fettsäuren durch die Ernährung führen zu Mangelerscheinungen sowohl beim Kind als auch bei der Mutter. Die ausreichende Versorgung ist hier vor allem im letzten Schwangerschaftsdrittel wichtig. Frühgeborene müssen also unbedingt ausreichend mit EPA und DHA versorgt werden, um den Entwicklungsrückstand aufholen zu können. Während des Stillens versorgt die Mutter den Säugling weiterhin mit EPA und DHA. Frauen, die keine Muttermilch anbieten können, müssen bei Milchpulverpräparaten achten, dass sie unter anderem auch EPA und DHA enthalten.

Der Konsum von Leinöl von Seiten der Mutter, reicht nicht aus um den EPA und DHA Gehalt der Muttermilch signifikant zu erhöhen!

EPA und DHA dienen als unterstützende Therapie:

  • Bei erhöhten Triglyceridwerten
  • Bei Lese- und Buchstabierschwierigkeiten
  • Bei ADHS
  • Bei Aggressionen
  • Zur Steigerung kognitiver Leistungsfähigkeit
  • Bei Autismus
  • Zur Senkung des Risikos für Alzheimererkrankung
  • Bei Major Depression (DHA nur in Kombi mit EPA)
  • Bei bipolaren Persönlichkeitsstörung und bei Borderline-Persönlichkeitsstörung
  • Bei Schizophrenie
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Allerdings ist es nicht nur wichtig ausreichend EPA und DHA zu sich zu nehmen, sondern die Zufuhr von Omega-6-Fettsäuren drastisch zu reduzieren. Omega-6-Fettsäuren wirken nämlich im Körper entzündungsfördernd, während Omega-3-Fettsäuren entzündungshemmend wirken. Das Verhältnis von Omega-6 zu Omega-3 spielt eine Rolle bei allen Zivilisationserkrankungen, inklusive Krebs. Das optimale Verhältnis von Omega-3 zu Omega-6 liegt bei 1:1 bis maximal 1:5. Tatsächlich liegt das Verhältnis in Deutschland/Österreich aber bei 1:20 bis 1:50!
Aber auch ein zu viel von Omega-3 ist schädlich, da sie die Fluidität dermaßen erhöhen, dass das Bindegewebe schwach wird und man ein erhöhtes Risiko für Aneurysmen hat. Ein Überkonsum an Omega-3-Fettsäuren ist in unseren Breitengraden mit der Ernährung allerdings sehr unwahrscheinlich!
Mehrfach ungesättigte Fettsäuren sind aufgrund der Kohlenstoffdoppelbindungen sehr reaktionsfreudige Moleküle und neigen leichter zur Oxidation durch Licht, Hitze und oxidativen Prozessen im Körper. Oxidierte Fettsäuren sind giftig für den menschlichen Körper. Dies ist der Grund, weswegen die Ernährung überwiegend aus gesättigten (z.B. Kokosöl) und einfach ungesättigten Fettsäuren (Olivenöl) bestehen sollte und auf andere Pflanzenöle (besonders Sonnenblumenöl, Maiskeimöl etc.) verzichtet werden sollte.

Sind Supplemente eine gute Alternative?

Bei Supplementierung mit EPA und DHA ist definitiv auf hochwertige Produkte zu achten und diese am besten im Kühlschrank lagern. Krillöl ist eine ökologischere Alternative zu Fischöl und schützt vor der Oxidation der Fettsäuren noch besser als Vit E (welches in den meisten Fischölpräparaten aufzufinden ist), da Krillöl Astaxanthin enthält, eins der stärksten natürlichen Antioxidantien die wir kennen.

DHA dient auch einmalig der Verbesserung mitochondrialer Dysfunktion. Für die Nerds, die es genauer wissen wollen: DHA verbessert die Toleranz von Mitochondrien gegenüber Calcium2+ induzierten Öffnung von MPTP (1-Methyl-4-phenyl-1,2,3,6-tetrahydropyridin), ein Neurotoxin. Durch DHA werden die Mitochondrien resistenter gegenüber Stress. 

DHA ist das, was eigentlich den Menschen zum Menschen gemacht hat, ein Säugetier mit einer überaus hohen Intelligenz. Kein Säugetier zeigt so hohe DHA Konzentrationen im Gehirn, wie der Mensch. DHA hat einmalige quantenbiologische Eigenschaften. DHA diente als essentieller Baustein der Lichtrezeptoren in der Netzhaut und somit der Konversion von Photonen (Elementarteilchen des elektromagnetischen Feldes) in einen elektrischen Stimulus, der die Information des Lichtes ins Gehirn weiterleiten sollte.

Vielleicht eine kuriose Frage am Rande zuletzt: Warum haben gerade Kaltwasserfische viele Omega 3 Fettsäuren, während es Süßwasserfische nicht haben? Ganz einfach: Mehrfach ungesättigte Fettsäuren sind auch bei sehr niedrigen Temperaturen noch nicht fest, eine wichtige Voraussetzung für die Überlebensfähigkeit dieser Fische. Gelangen diese Fische in wärmeren Gewässern bauen sie Omega 3 Fettsäuren ab. Genau deswegen besteht die Hypothese, dass sich die Spezies Mensch genau an Meeresküsten entwickelt hat, wo eine gute Versorgung mit Fisch möglich war und DHA  und EPA als Bausteine für die Entwicklung des menschlichen Gehirns zur Verfügung stand.

DANKE Willi (Vilmos) für deine interessanten Ausführungen!

Vilmos Fux ist Medizinstudent im Praktischen Jahr an der Medizinischen Universität Innsbruck, leitete im Rahmen seiner Diplomarbeit eine retrospektive Studie zum Thema „die Klinik der Glutenintoleranz im Erwachsenenalter“ an der Universitätsklinik Innsbruck und hält freiberuflich Seminare zum Thema Paleo, Beyond Paleo und Funktionelle Medizin sowohl in Österreich als auch in Deutschland überwiegend für Crossfit Boxen. Bei Interesse und Kontaktaufnahme ist er auf seiner Facebookseite zu erreichen: www.facebook.com/RealFoodSeminar

Quellen:

  • Long-chain n-3 PUFA: plant v. marine sources. Williams CM, Burdge G.- Proc Nutr Soc. 2006 Feb; 65(1):42-50
  • Health Benefits of Docosahexaenoic acid (DHA). Lloyd A. Horrocks and Young K. Yeo. Pharmacological Research, Vol. 40, No. 3, 1999
  • Beyond building better brains: bridging the docosahexaenoic acid (DHA) gap of prematurity. WS Haris and ML Baack. Journal of Perinatology 2015 35, 1-7
  • The Relationship of Docosahexaenoic Acid (DHA) with Learning and Behavior in Healthy Children: A Review. Kuratko et al. Nutrients 2013, 5, 2777-2810
  • Omega-3 DHA and EPA for Cognition, Behaviour, and Mood: Clinical Findings and Structural-Functional Synergies with Cell Membrane Phospholipids. Parris M.Kidd,PhD. 2007Alternative Medicine Review Volume 12, Number 3
  • Update on lipids and mitochondrial function: impact of dietary n-3polyunsaturated fatty acids. Stanley WC et al. Curr Opin Clin Nutr Metab Care. 2012 Mar; 15(2):122-6
  • A quantum theory fort he irreplacable role of docosahexaenic acid in neural cell signalling throughout evolution. Crawford MA et al. Prostaglandins Leukot Essent Fatty Acids. 2013 Jan; 88(1):5-13.
  • The importance of the ratio of omega-6/omega-3 essential fatty acids. Simopoulos AP. Biomed Pharmacother. 2002 Oct; 56(8):365-79
  • The Multifaceted Effects of Omega-3 Polyunsaturated Fatty Acids on the Hallmarks of Cancer. J.A. Stephenson et al. J Lipids. 2013: 261247
  • Docosahexaenoic Acid (DHA): An Ancient Nutrient for the Modern Human Brain. Joanne Bradbury. Nutrients. 2011 May; 3(5): 529-554.

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